Hallo Zusammen,
einigen Vorrednern kann ich nur zustimmen: billige Funkstrecken sind oftmals rausgeschmissenes Geld.
Über den Betrieb und die rechtliche Seite gibt es viel zu erzählen, hier ein paar Kurzinfos:
Die zuständige Behörde ist die Bundesnetzagentur (hieß früher RegTP), Drahtlosmikrofone heißen dort „nichtöffentlicher mobiler Landfunk“. Aktuelle Verfügung zur Regulierung der Frequenzen (91/2005):
www.bundesnetzagentur.de/media/archive/4469.pdf
Zusammengefaßt für Gemeinden:
Nutzung innerhalb von Gebäuden: Jede Frequenz zwischen 790-814 MHz und 838-862 Mhz, Kanalraster 25 kHz, Abstand von den Fernsehkanalgrenzen: mindestens 100 kHz (siehe Beispiel in der Vfg. 91/2005).
Für Anwendungen außerhalb geschlossener Gebäude sind Frequenzen aus der Nutzergruppe "d" einzusetzen, siehe Tabelle.
Mit der Verfügung 91/2005 hat sich noch eine wesentliche Änderung ergeben:
Drahtlose Mikrofone in o.g. Frequenzbereichen sind allgemein zugeteilt, d.h. müssen nicht mehr angemeldet werden (somit entstehen auch keine laufenden Kosten).
Das gilt nicht für VHF-Anlagen (174-223 MHz). Diese Anlagen sind für Unsereiner ausschließlich innerhalb Gebäuden zu benutzen, genehmigungspflichtig, ortsgebunden und kostenpflichtig. Für Neuanschaffungen ist UHF (790-814 bzw. 838-862 MHz) anzuraten.
Ein Wort zu ISM: es gibt im wesentlichen 3 ISM-Bereiche: 433 MHz, 864 MHz und 2,4 GHz.
Generell ist der ISM-Bereich für Mikrofonanwendungen zu meiden.
Der 433 MHz-Bereich ist für Audioanwendungen nicht mehr zugelassen. Hier tummeln sich Drahtlosthermometer, Garagenöffner, Kransteuerungen und hastenichtgesehen.
Im Bereich 863-865 MHz gibt es analoge und digitale Drahtloskopfhörer und alle möglichen Drahtlosanwendungen.
Im Bereich 2,4 GHz tummeln sich WLAN, Bluetooth, drahtlose Kameras und hastenichtgesehen.
Die Leistung in den ISM-Bereich ist derzeit auf 10 mW beschränkt.
Drahtlosmikrofone im Bereich 790-814 und 838-862 dürfen 50 mW Leistung haben. Die Leistung wirkt sich auf die Reichweite aus, hier hat man also mehr Reserve, bevor es zu Aussetzern kommt.
Fakten und Erfahrungen zum Betrieb von Drahtlosanlagen:
Antennen
Antennen sollte man nicht vergraben, am besten ist Sichtkontakt zwischen Sendern und Empfängern.
Ein unterschätzter Faktor bei großen Gebäuden ist die Dämpfung: sowohl in der Luft als auch in Antennekabeln wird das Signal gedämpft, es kann zu Aussetzern oder Störungen kommen (Größenordnung 50m).
Abhilfe durch Empfänger in Bühnennähe oder Richtantennen, Booster und gute Antennenkabel.
Wenn man nicht wirklich weiß, was Sache ist: professionelle Hilfe holen!
Batterien/Akkus
Ein leidiges Thema. Aus leidvoller Erfahrung rate ich von 9V-Akkus ab, auch die teuren Akkus mit hoher Kapazität haben bei uns nach kurzer Zeit Probleme verursacht.
Ich rate zu Markenbatterien und einem Batteriemanagement auf Betriebsstundenbasis: jedes Drahtlosmikrofon hat eine Liste, in der die Betriebsstunden der aktuellen Batterie(n) eingetragen werden, bei Erreichen der maximalen Betriebsdauer wird gewechselt. Bei Batterietestern bekomme ich Bauchschmerzen, hat für mich den Flair eines Drahtseilaktes. Die Störung eines Gottesdienstes aufgrund leerer Batterien finde ich peinlich und absolut unnötig. Denkt mal an die 10 Jungfrauen und ihre Gefäße mit Lampenöl! Funkt´s ?!
Mikrofone/Einstellung
Für die Taschensender gibt es eine sehr große Auswahl an Ansteckmikrofonen und Nackenbügelmikrofonen.
Je nach Mikrofon- und Sprecherkombination muß einerseits der EQ am Mischpult angepasst werden, andererseits die Empfindlichkeit des Senders. Dies geschieht entweder per Software oder über ein kleines Poti.
Dadurch ist sichergestellt, daß der Sprecher bei lauten Passagen nicht verzerrt oder gepresst klingt und bei leisen Passagen nicht rauscht wie ein Wasserfall.
Manche Handsender bieten ebenfalls die Möglichkeit, die Mikrofonkapseln zu wechseln (Wechselkopf), um für die jeweilige Anwendung das richtige Mikrofon zur Verfügung zu haben.
Mehrere Kanäle
Auf jeder Frequenz kann nur ein Mikrofon arbeiten. Mehrere Sender auf einer Frequenz, das geht nicht.
Bei mehreren Sendern kommt es zu sog. Intermodulationen, es entstehen weitere Frequenzen, die zu Störungen führen können. Die Anzahl der Intermodulationen steigt mit der Anzahl der Sender stark an, hier ist ein gutes Frequenzmanagement notwendig.
Hier gibt es eine kostenlose Software, mit der man sein Frequenz-Setup auf Kompatibilität prüfen lassen oder komplette Setups berechnen lassen kann:
www.sennheiser.com/sennheiser/icm.nsf/r ... m_software
Mehrere Empfänger kann man über einen Antennensplitter an einem Antennenpaar betreiben, entsprechend mehrere IEM-Sender über einen Combiner an einer Antenne.
IEM (In-Ear-Monitoring)
Ein großer Vorteil von IEM ist die reduzierte Bühnenlautstärke aufgrund des Verzichts bzw. die Reduzierung von Bodenmonitoren.
Die Sender sollten nicht zu nahe an den Empfängern der Drahtlosmikrofone (bzw. deren Antennen) stehen, sonst kann es passieren, daß die Empfänger übersteuert werden und Störungen vorprogrammiert sind.
Meine Empfehlung: Drahtlosmikrofone im Bereich 790-814 MHz und IEM im Bereich 838-862 MHz verwenden, das schafft zusätzliche Sicherheit.
Auch hier gilt das oben gesagte zu mehreren Kanälen.
DVB-T
Ein ganz heißes Thema, zu dem es hier einige Informationen gibt:
http://www.sennheiser.com/sennheiser/ic ... lwirkungen
Jetzt fällt mir nix mehr ein, aus meinen „Kurzinfos“ ist doch wieder ein Roman geworden…
Gruß
Elektrikus